Amazon-Rätsel: Kunden erhalten Ware, die sie nie bestellt haben – was passiert damit?

Stefan Bubeck 7

Ein Paket mit Amazon-Logo kommt an, darin befindet sich ein nagelneues Smartphone. Der Empfänger wundert sich aber, denn er hat es gar nicht bestellt. Behalten darf er das unverhoffte Geschenk trotzdem. Solche vermehrt in Deutschland auftauchende „unverlangte Pakete“ geben derzeit ein Rätsel auf.

Amazon-Rätsel: Kunden erhalten Ware, die sie nie bestellt haben – was passiert damit?
Bildquelle: GIGA.

Bereits im Dezember letzten Jahres berichtete die Wirtschaftswoche von „Handyhüllen, Karabinerhaken und Mausefallen, kostenlos und ungefragt“, die deutsche Amazon-Kunden erhalten, ohne zu wissen, wer eigentlich der Absender ist. „Keine Rechnung, kein Absender, kein Anschreiben“ schreibt der betroffene Blogger Jaeger „Rosenblut“ über die Vorfälle. Meist handle es sich um billige China-Gadgets, aber wie die Verbraucherzentrale NRW nun aufdeckt, kann auch mal ein in einem solchen anonymen Paket stecken.

Unverlangte Amazon-Artikel: Empfänger dürfen Ware behalten

Der von den Verbraucherschützern geschilderte Handy-Vorfall ging zu Gunsten des Empfängers aus: Dieser durfte nach Nachfrage bei Amazon das Paket behalten, obwohl er das Huawei-Smartphone nie bestellt, geschweige denn bezahlt hätte. Sein Amazon-Konto wurde offenbar auch nicht gehackt, es sind keine entsprechenden Abbuchungen gemacht worden. Dem unfreiwilligen Empfänger der Ware stehen drei Möglichkeiten zu: Nutzen, Verschenken oder Entsorgen. Rechtlich habe er nichts zu befürchten, so die Verbraucherzentrale NRW.

Anders hingegen die Absender, denen Amazon „betrügerischen Methoden“ und Richtlinien-Verstöße vorwirft. Der Haken an der Sache: Wer die noblen Spender der „Geschenke“ sind und was genau dahinter steckt, ist nicht vollständig geklärt. Sicher ist nur, dass solche Lieferungen nicht von Amazon selbst stammen, sondern aus dem Amazon-Marketplace. Dort verkaufen tausende Drittanbieter ihre Ware, die auch für Rücknahme und Garantieleistungen verantwortlich sind.

Mögliche Erklärungen für das Amazon-Paket-Phänomen

Eine denkbare Erklärung sei, dass Händler aus Fernost sich bei Amazon Zweit-Accounts einrichten und dabei die Namen der Adressaten nutzen, die davon nichts mitbekommen. Wenn dann darüber Verkäufe abgewickelt werden, steigen dadurch die entsprechenden Artikel im angezeigten Verkaufs-Ranking von Amazon. Zusätzlich sei dies auch eine Möglichkeit, positive Artikel-Bewertungen für scheinbar echte Käufe zu generieren. „Die Händler suchen sich irgendwelche Adressen im Internet. Welche Adressen das sind oder ob die Artikel jemals ankommen, das ist ihnen egal. Hauptsache ist, dass die Artikel verschickt werden und bei Amazon als Verkauf eingehen“ erläutert Klaus Forsthofer, Autor des Handelsblogs Marktplatz1.

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Eine andere Variante lautet: Die unbekannten Händler räumen ihre bei Amazon Deutschland angemieteten Lagerflächen auf diese Weise vergleichsweise kostengünstig frei. Statt die Billig-Artikel zurück ins Ursprungsland zu verschiffen, werden sie wahllos an Empfänger in Deutschland geschickt. Das ergibt zumindest bei umgangssprachlichen „China-Schrott“ für wenige Euro einigermaßen Sinn – bei einem aktuellen Mittelklasse-Smartphone dürfte diese These aber nicht zutreffen. Es bleibt rätselhaft, was wirklich hinter dem Phänomen steckt.

Habt ihr auch schon mal ein dubioses Paket von Amazon erhalten, das ihr nicht bestellt habt? Schreibt uns eure Erfahrungen in die Kommentare.

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